Home Games PS4 Remastered: The Last of Us im Test

Anlässlich der Veröffentlichung  der aufwändigen Remastered-Version von The Last of Us für die sehen wir uns heute das Aushängeschild aus dem Hause Naughty Dog genauer an. Ende 2011 vorgestellt und Mitte 2013 veröffentlicht wurde The Last of Us schnell als Zombie-Shooter mit Seele bekannt. Was oft anderen gleichwertigen Genre-Brüdern und -Schwestern mit Blick auf’s Gameplay fehlt, ist in The Last of Us besonders stark: Die Story.

Mit der „strong independent female role“ von Ellie kann sich der Spieler sofort identifizieren. Auch den manchmal zweifelhafte Entscheidungen treffenden Joel schließt man doch schnell ins Herz. Eines der besonderen Merkmale des schon als Kunstwerk bezeichneten Third-Person-Shooters ist es, dass der Spieler die meiste Zeit einen Charakter begleitet, der Dinge tut, die man selbst nicht unterstützt.

Kein übliches Zombiespiel

last-of-us-zombiesDas Spiel beginnt zu dem Zeitpunkt, an dem die meisten Drehbücher mit Zombies einsetzen: Kurz vor der Apocalypse. Doch nach einem flüssig ins Gameplay eingebauten Tutorial springt die Handlung auf einmal 20 Jahre in die Zukunft und dem Spieler wird schnell klar: Das hier ist kein üblicher Zombie-Shooter.

Dieses Konzept wird im weiteren 12- bis 18-stündigen Spielverlauf weiterverfolgt: Auf die erwarteten Zombie-Abschnitte folgen große zu erkundende, friedliche Areale und Lager von hinreichend intelligenter KI-gesteuerten NPCs, die den Spieler per Definition schnell zum gewissenlosen Massenmörder machen. Klar, die wollten einen doch töten.

Aber ist man sich da sicher? Bei jedem einzelnen? Joel interessiert das nicht, den Spieler schnell auch nicht mehr – und das ist auch gar nicht wichtig. Das Gemetzel macht so viel Spaß, dass manche Begegnungen gar viel zu schnell vorbei sind.
Natürlich aber auch nicht jede Begegnung: das Spiel hat seine Längen. Wenn der Spieler auf einmal in die Rolle von Ellie springt, fühlt sich dies ziemlich gezwungen nach einem weithin verhassten Waffenverlust in der Mitte des Spiels an. Es fühlt sich nicht wie ein plötzlicher Drehbuch-Schachzug an Die Macher von Last of Us lassen den Spieler damit weiter über die Wendung im Unklarem.

Auch wenn man sich um seine waffenstarke Verteidigung beraubt fühlt, bietet der Part des Spiels aus Ellies Sicht auch seinen ganz eigenen Charme: Wenn Ellie mit ziemlicher Leichtigkeit nur mit einem Springmesser bewaffnet Männer überwältigt, die doppelt so groß sind wie sie.

Gameplay

Gameplay-technisch muss man in The Last of Us zwischen zwei Gegner unterscheiden:  Zombies und Menschen. Zombies sehen schlecht bis gar nicht und bewegen sich kaum. Dafür hören sie aber sehr gut, wohingegen Menschen feste Routinen ablaufen und merken, wenn Kollegen auf einmal verschwinden. Im Kampf gegen die Widersacher empfehlt es sich verschiedene Strategien zurecht zulegen.

Nur das Suchen nach Deckung ist bei beiden Arten von Gegnern gleich. Hilfreich ist der Lausch-Modus, wobei Joel als Charakter ganz still wird und sich nur sehr langsam fortbewegt, dafür aber Bewegungen von Gegnern hört und visuell darstellt. Zu sehr sollte sich der Spieler auf diese große Abweichung realer Lebensumstände, die einem im Spiel begegnen, nicht verlassen.

In den beiden höchsten Schwierigkeitsgraden lässt sich nicht mehr auf diesen Modus zurückgreifen. Nötig ist das vielleicht aber auch gar nicht mehr, denn die Routinen, sowohl der Zombies als auch der Menschen, sind einfach gehalten. Spätestens nach dem dritten Playthrough manfiestieren sich diese im Gedächtnis.

Die Steuerung

last-of-us-steuerung-controllerDie Steuerung ist eingängig und größtenteils an die Genre-Kollegen gehalten: Gefeuert wird mit den Schultertasten, interagiert mit den Haupttasten. Die Waffen wählt der Spieler mit dem Steuerkreuz aus. Mit Hilfe der Analogsticks lässt sich der Charakter steuern und der Kamerawinkel verändern.

Natürlich gibt es eine eingebaute Zielhilfe. Ohne diese würde der Schwierigkeitsgrad noch um einiges ansteigen, denn vor allem die Zombies haben die Angewohnheit, verdammt erratisch durch die Weltgeschichte zu sprinten.

Man verfeuert gerne ein ganzes Magazin, ohne Irgendetwas zu treffen, wenn nicht Ruhe bewahrt wird und sich vom „Headshot-Austeilen“ los lößt.

Sparsam und Mühsam

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Zur Not muss es auch mal ein Backstein tun

Genau das will der Spieler ganz sicher nicht: Irgendetwas verschwenden. Oft wiederholt man selbst gewonnene Kämpfe, nur damit diese mit weniger Munitions- und Energieverlust abgeschlossen werden. Autosavepoints sind großzügig gesetzt. Ressourcen allerdings nicht: Jede verschossene Kugel tut ein wenig weh.

Gegner laufen grundsätzlich mit ihrer letzten Kugel und nur einer Waffe rum. Loot findet sich nur häppchenweise. Man braucht zwischen drei und vier Funde einer Ressource, um eine ganze Ressource zum Weiterverarbeiten zu Medikits und Waffen voll zu haben. In den meisten Abschnitten finden sich nicht mehr als zwei von einer Sorte.

Vorhalten kann man dies aber Niemandem: Die Handlung spielt schließlich 20 Jahre nach der Apocalypse; es ist also eher erstaunlich, was sich alles noch an Ressourcen finden lässt.

Frohnatur in der Hölle

Storytechnisch bietet The Last of Us eine ganze Palette von „Wozu sind verzweifelte Menschen in der Lage!?“ über in Notizen und der Umgebung versteckte, persönliche Dramen bis hin zu Angesichts der Apocalypse völlig kaputten zwischenmenschlichen Beziehungen.

Dazwischen ist Ellie: Immer fröhlich drauf, erstaunt über die routinierte rücksichtslose und brutale Verhaltensweise von Joel, immer wieder munter kommentierend und nur Minuten nach einer lebensgefährlichen Situation pfeifen lernend. Ein Sonnenschein. Emotional verhältnismäßig unverdorben und damit ein fester Gegensatz zu „Wir sprechen nie wieder darüber“-Joel.

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Nicht nur Zombies sind ein Problem der Apokalypse

Seit dem Tod von Joels Tochter, wandelt er nur noch umher, überlebt irgendwie und hat längst vergessen, was es bedeutet zu leben. Doch Ellie krempelt seine Welt um und zeigt ihm, dass da doch mehr ist als das nackte Überleben. Joel geht eine Charakterentwicklung durch, die an Glaubwürdigkeit und Intensität für den Spieler heutzutage seinesgleichen sucht.

Geniale Synchronsprecher

Eins der herausragendsten Eigenschaften ist, vor dem Hintergrund des fesselnden Drehbuchs, das Voice-Acting und die per Motion-Capture-Verfahren eingefangenen Cutscenes. Die Sprecher der deutschen und der englischen Version nehmen sich nichts. Sie stellen Ihre Charaktere sowohl in Mimik und Gestik als auch in der Sprache glaubhaft dar.

Wie gut sie das können, haben sie am 28. Juli 2014 im One Night Live Livestream vom Playstation-Twitch-Account ausgehend bewiesen: Live wurden viele der Cutscenes von ihren echten Voice-Actors nachgespielt. Es gab nur einen Fehlstart und die Performance war so überzeugend wie im Originalspiel.

Story durch, aber es geht weiter!

Auch einen Mehrspielermodus hat The Last of Us zu bieten. Als Firefly, einer politische Rebellenbewegung, oder Hunter, einer der Räuber, die man im Einzelspieler zu Massen wie Fliegen umnietet, begibt man sich auf die Suche nach Ressourcen, um die eigene Gruppe am Leben zu erhalten.

Darüber hinaus gibt es seit Oktober 2013 den DLC Left Behind, welcher sowohl einen im Hauptspiel ausgelassenen Abschnitt als auch Ellies Vorgeschichte näher beleuchtet. Er ist etwas schwieriger als das Hauptspiel, da Ellie auf viel weniger Erfahrung, Kraft und Waffen zurückgreifen kann, umfasst etwa zwei Stunden Spielzeit und nimmt sich in Sachen Storytelling nichts mit dem Hauptspiel.

the-last-of-us-remastered-two-column-01-ps4-us-28jul14Zu guter Letzt erschien am 30. Juli die Remastered-Version von The Last of Us, welche das Spiel auf 1080p Auflösung aufwertet. Es gibt viel mehr Details und eine höhere Bildtiefe. Die Bildwiederholrate läuft mit 60 FPS und von den vielen Vorteilen des Dual Shock 4 Controllers wird nun Gebrauch gemacht. Ein Audio-Kommentar rundet die Remastered-Version ab. Erhältlich ist diese allerdings ausschließlich für die Playstation 4.

Fazit

The Last of Us ist ein vielschichtiger Shooter mit einer beeindruckenden Story. Der Faktor Zeit bzw. Geduld als größtes Manko des Spiels beeinträchtigt nur wenig das Gesamtbild. Wer genug davon mitbringt, um sich um alle Ressourcen zu kümmern, niedergeschriebene Geschichten zu lesen und kein Problem mit der etwas längeren Spielzeit hat, wird die Anschaffung nicht bereuen.


Eine Antwort zu diesem Blogbeitrag
  1. Ich habe The Last of Us gestern „endlich“ durchgespielt – es ist wirklich grandios, zumal ich es auf der PS3 noch nicht gespielt habe.

    Die Geschichte ist so tragisch, traurig und schön zugleich, noch nie habe ich so etwas in einem Spiel erlebt!

    Da es ja verfilmt werden soll. hoffe ich, dass Ellen Page die Rolle bekommt und der Film auch wirklich mit dem Spiel zu tun hat. (Eine Serie wäre wohl besser geworden)

    Grüße
    Jörg