Home Internet ARD Fernsehkritik: Die geheime Macht von Google

Letzten Montag hat die ARD eine Dokumentation über den Suchmaschingiganten Google ausgestrahlt. Ein TV-Tipp, dachte ich zuerst. Von der ARD, die schließlich von unseren Rundfunkgebühren bezahlt wird, und unabhängig berichten sollte. Doch leider entpuppt sich der vermeintlich aufklärende Film als gut getarnte Meinungsmache vom Axel Springer-Verlag, sowie der ICOMP Lobby, die Google schon seit langem ein Dorn im Auge ist.

Schade, dass diese Doku, die eigentlich ein Bewusstsein für Google als Datenkrake schaffen sollte, von der einseitigen Berichterstattung und den schlecht gewählten Protagonisten Michael Weber und Robert Maier überschattet wird. Dennoch findet sich berechtigte Kritik an Google in der Doku. Die Chance, den Zuschauer aber zum Nachdenken anzuregen, statt mit vorgefertigter Meinung der Protagonisten zu füttern, hat die Dokumentation leider nicht wahrgenommen. Die Dokumentation „Die geheime Macht von Google“ lässt sich online nachschauen und auf meine Nachfrage bei der ARD hin, ist sie ein Jahr lang vor der Depublizierung geschützt.

Die berechtigte Kritik

Googles Kapital sind Informationen. Google sammelt mit seinen vielen hilfreichen und vor allem kostenlosen Diensten wie Google Mail, Google Maps, Google Earth und vielen Weiteren eine Menge personenbezogene Daten. Unsere Mails werden bei Google Mail maschinell durchsucht, um passende Werbeanzeigen neben der Mail angezeigt zu bekommen. Dank dem Google Smartphone-Betriebssystem Android weiß Google wo wir uns befinden und erstellt Bewegungsprofile.

Das Hauptprodukt – die sehr gute Suchmaschine – weswegen wir Google so gerne und viel nutzen, speichert ebenfalls jede Suche und untersucht genaustens, welche Suchergebnisse wir uns wie lange anschauen. Viele dieser erfassten Daten können sich Google-Nutzer im Google Dashboard anschauen. Hier wird aber noch längst nicht jede Information angezeigt, die Google über uns speichert. Wie Google diese Informationen nutzt und welchen Dritten diese zugänglich gemacht wird, ist weitestgehend unbekannt. Wir wissen selbst sehr wenig über Google in Relation zu dem was Google über uns weiß.

Werbung, das Hauptgeschäft

Das Haupteinnahme-Geschäft von Google ist Werbung. Dank der vielen Daten über die Nutzer ist die Werbung äußerst personalisiert und Werbetreibende können bis ins kleinste bestimmen, wen sie mit ihrer Anzeige erreichen wollen und müssen zum Vorteil des Budgets nur pro Klick auf die Werbeanzeige und nicht für die Einblendung zahlen. Da Google ständig auf neue Gebiete wie dem autonomen Fahren, Internet der Dinge oder dem bisher größten Übernahmeerfolg YouTube expandiert, ist die Markt- und Informationsmacht gewaltig. Andere Werbenetzwerke können hier nicht ansatzweise mithalten. Fraglich ist, ob Google sich bei den Ergebnissen seiner Dienste nicht beeinflussen lässt. So könnte die Suche nach „günstigen Notebooks“ entsprechend der Werbebudgets von den Herstellern beeinflußt sein. In der Doktorarbeit zum Such-Algorithmus von Google, geschrieben von Sergey Brin und Larry Page, den Google-Gründern, lehnen die beiden Werbung genau aus diesem Grund „noch ab“.

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Werbeanzeigen nicht erkennbar in der Suchmaschine

Während Google seine Werbung anfangs noch rechts am Rand neben den Suchergebnissen einblendete, werden sie mittlerweile an erster Stelle angezeigt, sodass viele sie als das Top-Suchergebnis missinterpretieren.Dies ist der äußerst dezenten Markierung „Anzeige“ und dem besonders hervorgehobenem Werbeeintrag zu schulden. Suchmaschinen-Spezialisten bezeichnen diese Nutzer gerne als Klickvieh. An erster Stelle auf den Suchergebnisseiten landet also bei Google derjenige, der den höchsten Klickpreis für seine Werbeanzeige gebucht hat. Das ist natürlich nicht immer die hilfreichste Empfehlung für den Nutzer.

Axel Springer und ICOMP

Der Interessenverband ICOMP und Axel Springer machen starke Lobbyarbeit gegen Google. Und leider kommen sie auch in der ARD Dokumentation zu Wort. Stellvertretend für Axel Springer Robert Maier mit seiner Shopping-Suche Ladenzeile, sowie Michael Weber mit seinem Kartendienst Hot-Maps.com. Der Autor verschweigt hier in der Dokumentation ganz klar die Firmen bzw. Produkte, wofür die Protagonisten stehen, und blendet unter deren Namen in der Bauchbinde bloß „Internetunternehmer“ ein. Der Zuschauer muss sich also selbst informieren, dass die Firma Visual Meta hinter Ladenzeile.de seit 2011 zum Axel Springer Verlag gehört. Wer sich dann noch den Kartendienst von Michael Weber anschaut merkt, dass er keinerlei Mehrwert für den Benutzer bietet und unter der Routenplaner-Funktion selbst sogar Google Maps einbindet. Ein Zugeständnis, dass das eigene Produkt nicht besser ist?

Diese Punkte und das Treffen der ICOMP-Mitglieder, unter  denen auch Microsoft und ProSieben Sat1 dabei sind, werden äußerst einseitig dargestellt. Von Googles Seite gibt es hier nur von seinen Ingenieuren Einblicke in die Produkte. Konfrontation mit den Macht-Vorwürfen gibt es nicht. Nur warum nicht?

Fazit

Mit meiner Meinung, dass die ARD Dokumentation „Die geheime Macht von Google“ seine Enthüllungsstory verfehlt stehe ich nicht alleine da:

Ich finde es schade, dass sich die ARD hier eine schwache Dokumentation hat unterschieben lassen. Der Gedanke, dass dafür unsere Rundfunkgebühren bezahlt werden, graust mir! Genau dafür sollten Rundfunkgebühren eigentlich bezahlt werden: Objektiv und von beiden Seiten zu berichten. Das ist bei dieser Dokumentation nicht der Fall und äußerst schade. Dieser weitere Fehlschlag reiht sich mit dem oberflächlichen ARD Markencheck zu Apple bedauerlicherweise ein. Schade, dass in der Blogosphäre nicht mehr Kritik hierzu geäußert wurde, wie es beim ARD Markencheck zu Apple der Fall war.

Ein Jahr lang lässt sich die einseitige Google-Dokumentation noch in der ARD-Mediathek nachschauen, bis sie depubliziert wird.