Social Media Plattformen vs. Foren

social-media-vs-forenSoziale Plattformen stehen seit Jahren hoch im Kurs und die Netzwerke sprießen teilweise wie Pilze aus dem Boden. Facebook, Google+, Twitter, Xing, Instagram, Pinterest, WordPress, Tumblr, VZ, Badoo, Myspace, Flickr, LinkedIn – die Liste ist schier endlos. Ziel dieser Plattformen ist es, die User untereinander zu vernetzen, am „Leben der anderen teilzuhaben“, die neuesten Informationen aus vertrauter Hand zu bekommen, oder einfach nur möglichst vielen Leuten mitzuteilen, dass der Mann in der U-Bahn blöd rüber geguckt hat.

Was bedeutet „social media“ eigentlich?

Einfach ausgedrückt ist Social Media ein Begriff, der die digitalen Medien umfasst, die es den Usern möglich machen, sich einfach und schnell miteinander zu verbinden. Blogs, Bilder- und Videoportale, sowie Sozialnetzwerke treten nach und nach aus dem privaten Umfeld heraus und gewinnen auch in der geschäftlichen Welt immer mehr an Bedeutung. Das bekannteste soziale Netzwerk dürfte wohl Facebook sein – gleichzeitig ist es auch eines der Umstrittensten.

Immer wieder wird auf Sicherheitslücken verwiesen, vor unzureichendem Datenschutz gewarnt und die „Firma“ Facebook an sich als groß, fern und böse dargestellt. Trotzdem melden sich immer mehr Leute in den Netzwerken dieser Welt an, wollen mittendrin sein anstatt nur dabei und nehmen dafür auch das oft mulmige Gefühl im Magen in Kauf. Streng genommen gehören Foren also auch in die Kategorie „Social Media Plattform“, da sie sich aber dennoch von den Personenbezogenen Netzwerken unterscheiden, stelle ich sie heute einander gegenüber.

Die Faszination der sozialen Plattformen

Was lockt die Leute eigentlich in die Netzwerke, die in unseren Medien so oft verteufelt werden? Gruppenzwang? Neugier? Vermutlich eine Mischung aus Beidem, gepaart mit der Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Früher bekam man eine SMS wenn dem Freund etwas Unglaubliches passiert ist, heute muss man auf Twitter angemeldet sein und ihm folgen, um überhaupt mitzubekommen was los ist.

Die Geburtstagseinladungen kamen früher ebenfalls per Mail, SMS oder per Anruf (in Sagen und Legenden ist sogar von Karten per Post die Rede!), heute wird auf Facebook eine Veranstaltung erstellt und die Kontakte per „Rundumschlag“ eingeladen.

Mit den Freunden, Bekannten und der Familie online vernetzt zu sein, macht das Leben aber auch einfacher. Auf Google+ zum Beispiel kann man seine Kontakte in Kreise einteilen und bei jeder Meldung ganz einfach einstellen, welcher Personenkreis die Mitteilung erhalten soll und welcher nicht. Dinge die früher aufwendig waren, wie zum Beispiel Weihnachtskarten an alle zu schreiben und sie rechtzeitig vorher abzuschicken, werden heute ganz einfach mit ein paar Mausklicks erledigt. Weihnachtsgruß eintippen, Zielgruppen auswählen, abschicken.

Ist wirklich alles Gold was zwitschert?

Auch in unserer heutigen, schnelllebigen Zeit existiert das Bedürfnis, länger über ein Thema zu sprechen als nur die Sekunden die der Tweet sich in der Timeline hält. Facebook ist kein Ort um sich eingehender über Tiefergehendes auszutauschen – irgendwann postet der nervige Kumpel des kleinen Bruders oder die Klassenkameradin, die man aus rein diplomatischen Gründen in der Freundesliste hat, immer einen blöden Kommentar dazwischen und zieht die Diskussion ins Lächerliche. Zumal die Kommentarfunktion auf vielen Plattformen nicht auf endlose Diskussionsbeiträge ausgelegt und in ihrer Zeichenkapazität begrenzt ist.
Auszugleichen versuchen einige Netzwerke dies mit Gruppen, in denen man richtige Beiträge verfassen kann, wie z.B. die VZ-Netzwerke, Facebook oder auch Xing. So richtige Diskussionsstimmung kommt aber trotzdem nicht auf.

Warum Foren statt Facebook?

Die Grundidee der Gruppen an sich ist nicht schlecht, immerhin ist davon auszugehen, dass in der Gruppe nur Leute sind, die das Thema auch interessiert. Warum kommen trotzdem keine wirklichen Diskussionen zustande? Die Form der Gruppen auf Facebook gleicht exakt der eigenen Übersicht, jeder kann etwas posten und die anderen können es kommentieren. Bis auf die Tatsache das sich dieser Bereich „Gruppe“ nennt und die Beiträge vom normalen Stream abgetrennt sind, gibt es also kaum Unterschiede.

Etwas besser machen es da die VZ-Netzwerke, mit Gruppen in denen man Themen erstellen und in den Themen wieder Beiträge posten kann – die Grundfunktionen eines Forums.
Da jedoch immer mehr Nutzer vom VZ zu Facebook abwandern, stehen sie wieder vor dem Problem: Wo ein wirklich ernsthaftes Gespräch über ein interessantes Thema in Gang bringen?

An dieser Stelle kommen die Foren ins Spiel, die genau das bieten: Eine Diskussionsplattform für ein bestimmtes Thema. Hier kann ich mich anmelden, wenn ich mich mit Gleichgesinnten über mein Haustier austauschen, Tipps von anderen Tunern haben möchte, oder einfach Rat von Jemandem brauche, der nicht in meinem Leben oder in meinem unmittelbaren Umfeld zu finden ist.

Die Welt der Foren ist groß – trau dich

Nicht immer kennt man jemanden, der das spezifische Wissen hat das man sucht, nicht immer kennt man jemanden der exakt dasselbe Hobby mit der exakt selben Leidenschaft ausübt. In einem themenspezifischen Forum aber findet man Leute, die zumindest dieses eine Thema betreffend die gleiche Passion haben wie man selbst. Mit denen man über Dinge sprechen kann, die die eigenen Freunde vielleicht nicht sonderlich interessieren, oder mit denen man auch anonym über brisante Themen diskutieren kann, ohne dass man für seine Meinung beim nächsten Treffen mit den Kumpels gleich aufgezogen wird.

In einem Forum zu sein bedeutet, über den Tellerrand des eigenen Bekanntenkreises hinaus zu blicken und andere Menschen zu entdecken, die dieselben Interessen haben. Es bedeutet ernsthafte Diskussionen mit langen Beiträgen, die sich auch wirklich mit dem Thema beschäftigen, um des Themas willen und nicht weil es irgendwo im Netz ein lustiges Video dazu gibt.

Was ist ein Forum und wie funktioniert es?

Ein Forum ist eine Plattform im Netz, die Raum für Diskussionen und den allgemeinen Meinungsaustausch bietet. Man kann je nach Einstellung der Administratoren entweder als Gast mitlesen oder sich als Mitglied registrieren (meistens kostenlos), um selbst Diskussionen anzustoßen und in die internen Bereiche des Forums zu kommen.
Kostenlose Foren kann man sich so gut wie überall erstellen, einer der größten deutschsprachigen Forenanbieter ist zum Beispiel Xobor. Dieser bietet als Erster inzwischen sogar eine eigene App für seine Foren an, mit der man Beiträge und Nachrichten auch von unterwegs aus checken und schreiben kann.
Der Aufbau eines Forums ist ziemlich übersichtlich und funktionell gehalten.

Es gibt eine Kategorie, die das grobe Thema umreißt (z.B. Haustiere, Nutztiere). In dieser Kategorie gibt es nun ein oder mehrere Foren (wenn ich bei meinem Beispiel bleibe z.B. Haustiere – Hunde/Katzen/Mäuse oder Nutztiere – Kühe/Pferde/Schafe). In den Foren können nun Themen eröffnet werden, die zum jeweiligen Forum passen (z.B. „Mein Hund schnarcht“).
In einer vereinfachten Darstellung sieht das ganze folgendermaßen aus:

  • Haustiere (Kategorie)
    • Hunde (Forum 1)
      • Mein Hund schnarcht (Thema 1)
      • Tierarztkosten für die Impfung gegen xy (Thema 2)
    • Katzen (Forum 2)
      • Katzenhaarallergie (Thema 1)
    • Mäuse (Forum 3)

Auf diese Weise werden Themen in gebündelter Form angeboten und man findet sofort das was einen interessiert, kann sich entscheiden ein Thema gleich oder später zu lesen (die Themen sind als ungelesen markiert, bis man sie schließlich liest) oder selbst eines eröffnen – in dem Wissen das man konstruktive Antworten statt unpassender Kommentare bekommt.

Fazit Social Media Plattformen vs. Foren

Soziale Netzwerke gehören zum heutigen Leben einfach dazu. Sie erleichtern die Kontaktaufnahme, ersparen uns teilweise viel Arbeit und dienen der generellen Bespaßung. Gut geeignet sind sie für eine Partyeinladung, schnell verschickte Geburtstagsgrüße oder um dem gesamten Bekanntenkreis ein lustiges Video zu zeigen, das man gerade entdeckt hat. Weniger geeignet sind sie jedoch für tiefer schürfende Diskussionen und intensivere Betrachtung von bestimmten Themen. Dazu sind sie zu öffentlich, zu unübersichtlich und zu oberflächlich.

Das soziale Netzwerk für den schnellen öffentlichen Spaß, das Forum für die ernsthafte Diskussion in trauter Runde – so bedient jeder unserer beiden Kontrahenten ein anderes Bedürfnisfeld und hat damit seine Daseinsberechtigung. Jetzt muss sich nur noch der User entscheiden, wonach ihm gerade ist.

Bildquelle: Gerd Altmann / Shapes: AllSilhouettes.com / pixelio.de

Von | 2013-02-16T08:53:37+00:00 16. Februar 2013|Internet|1 Kommentar

Über den Autor:

Ich arbeite seit August 2012 als Marketing Assistentin für die Miranus GmbH, die bereits seit knapp über 14 Jahren kostenlose Forensoftware zur Verfügung stellt. In meiner Freizeit bin ich gern sportlich aktiv und durchlaufe neben dem Job ein Fernstudium zur Autorin. Zu erreichen bin ich über diverse Plattformen und per Mail.

Ein Kommentar

  1. Stephan Feb 17, 2013 um 11:15 Uhr

    Schöne Aufschlüsselung. War 2006 etc. noch die Foren auf VZs und OpenBC der Dreh- und Angelpunkt, hat sich das Bild hier verändert (1), hatte ich auch bereits festgestellt. Aber nicht unbedingt zum schlechteren. Alltäglichkeiten werden in der Timeline abgehandelt, Spezielles eher in Gruppen (Egal ob nun der Hund Flöhe hat oder ob es um Scrum im Projektmanagement geht). Schöner Artikel….
    lG
    Stephan

    http://linkedinsiders.wordpress.com/2011/07/17/ist-die-timeline-das-ende-der-gruppe/

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