Wings Connect getestet: Lohnt sich das Internet in den Wolken?

WingsConnect gibt es schon seit einigen Jahren und die Vorstellung in den Wolken online zu sein, finde ich fazinierend. Über Satelliten werden Datenpakete über tausende Kilometer hin und her geschickt. Die Verwunderung (und Neid) im WhatsApp-Chat ist groß, wenn man erzählt, dass man sich gerade in 10.000 Metern höhe aufhält. Zwischendurch gibt es immer mal Ausfälle und hier und da geht auf der weiten Reise das Datenpaket verloren. Der Browser rödelt sich dann zu Tode. Mich hat dann mal interessiert, wie die Daten genau aussehen: Wie viel Megabit Download und Upload gibt es wirklich? Wie hoch ist die Latenz?

So wurde gemessen

Claude Opus war so nett bereits im März und verfeinert im Oktober ein Test-Skript zu erstellen, sodass auf meinem Laptop alle zwei Minuten eine Messrunde gestartet wird: Ping zu Googles 8.8.8.8 und Cloudflares 1.1.1.1, DNS-Auflösung, Antwortzeiten beim Seitenaufruf und die Bandbreite über den Speedtest von Cloudflare. Richtig cool: Das Inflight-Portal hat eine kleine Schnittstelle für die Moving Map, die Höhe, Position, Geschwindigkeit und sogar die Flugphase liefert. Jede Messung hat das Bash-Skript damit verknüpft, sodass sich jeder Aussetzer hinterher einer Position auf der Karte zuordnen lässt. Die Skripte und Rohdaten sowie die kompletten Berichte liegen auf GitHub, um meine Messung nachvollziehen oder ggf. selbst mal durchführen zu können. Kurzer Transparenz-Hinweis: Das WLAN-Paket habe ich selbst bezahlt, Eurowings weiß von diesem Test nichts.

Hinter Wings Connect steckt auf meinen beiden Maschinen (ein A320 und ein A321) vermutlich der Anbieter Anuvu mit einem geostationären Ku-Band-Satelliten, Vertragspartner im Portal ist die T-Mobile HotSpot GmbH mit ihrem „HotSpot Inflight Service“. Geostationär heißt: Das Signal reist zweimal 36.000 Kilometer. DA ist irgendwo klar, dass unter 500 bis 600 Millisekunden Antwortzeit aus rein physikalischen Gründen nichts geht. Die Pakete kosten je nach Flug meist zwischen 2,90 und 9,90 Euro; ich hatte das Premium-Paket für den ganzen Flug für 9,90 Euro.

Geduld ist geboten

MesswertFlug 1: DUS→ACE (März)Flug 2: BCN→DUS (Oktober)
Ping683–1.382 ms666–1.124 ms, Median 824 ms
Paketverlust0–10 %, beim Satellitenwechsel 30–60 %im Schnitt 16 %, drei Totalausfälle
DNS-Auflösung0,2–5 s0,2–8,2 s
Erste Antwort beim Seitenaufruf2,1–6,9 s2,0–8,3 s
Download0,05–1,31 Mbit/sMedian 1,17 Mbit/s
Upload0,07–0,72 Mbit/sMedian 0,47 Mbit/s

Gut ein Megabit pro Sekunde im Median ist (Bauern-)DSL-Niveau von vor zwanzig Jahren mit deutlich mehr Latenz. Eine normale Webseite braucht 3 bis 10 Sekunden, ein 100-MB-Download würde Pi mal Daumen 20 Minuten dauern. Dazu streut alles gewaltig: Die DNS-Auflösung schwankt um den Faktor 40, der Download brach zwischendurch auf 0,05 Mbit/s ein. Interessant fand ich, dass der Upload oft fast so schnell war wie der Download. Normalerweise ist das bei Satellitenverbindungen auch stark asymmetrisch.

Über Gibraltar kein Internet

Der spannendste Moment auf meinen Lanzarote-Flug: Genau über Gibraltar war die Verbindung komplett weg und kam nur Tröpfchenweise wieder. Dort wechselt das Flugzeug von der europäischen auf die atlantische Satellitenabdeckung, und dieser Handover hat nicht nur ein, zwei Minuten gekostet. Die Latenz lag danach noch rund 25 Minuten lang bei 1.100 bis 1.400 Millisekunden statt der üblichen 750. Auf meinen Rückflug aus Barcelona gab es die Ausfälle dafür im Sinkflug: Bei 12.000 Fuß ging zweimal gar nichts mehr. Kurioserweise lieferte die Verbindung im Endanflug bei 3.000 Fuß noch einmal volle 1,2 Mbit/s, bevor beim Rollen zum Gate endgültig Schluss war. Während des Landeanflugs war der Laptop natürlich brav zugeklappt im Handgepäck unter dem Vordersitz, in der Hoffnung, dass er keinen Hitzetod sterben wird.

Liniendiagramm mit dem Ping beider Messflüge über die Flugzeit: über Gibraltar ein Totalausfall mit rund 25 Minuten erhöhter Latenz, auf dem zweiten Flug drei Totalausfälle im Sinkflug und bei der Landung
Ping im Flugverlauf: Über Gibraltar fällt die Verbindung komplett aus (Flug 1), im Sinkflug gab es Aussetzer (Flug 2).

Wofür reicht das Internet an Board?

Messaging und E-Mail funktionieren sehr zuverlässig, dafür reicht die Verbindung locker. Durchs Internet surfen funktioniert mit Geduld, Textdienste laufen erstaunlich gut. Nichts wird es dagegen mit Streaming (für SD-Video bräuchte es mindestens 1,5 Mbit/s, und die kommen nie stabil an), mit Videocalls (bei 800 Millisekunden Latenz redet man ständig durcheinander). Die einzige Möglichkeit Bewegbild durch die Leitung zu bekommen sind die Download-Optionen von Streaminganbietern in SD-Qualität. Hier muss man sich aber überlegen, ob es das wert ist eine Stunde seinen Internetzugang in den Wolken zu verstopfen, um eine Episode seiner Lieblingsserie herunterzuladen.

Was andere berichten

Inside digital hat Wings Connect schon 2018 getestet und damals auf zwei Flügen 16 bis 17 Mbit/s im Download gemessen. Allerdings auf Maschinen mit Inmarsat-Satellitentechnik. Bei Reisetopia auf der Langstrecke war das WLAN flott, aber happig im Preis.

Ich kann verstehen, dass schnell gemeckert wird, wenn man auf dem Erdboden ganz andere Geschwindigkeiten gewöhnt ist. Es sollte aber in Relation gesetzt werden, welche komplexe Technik nötigt ist, um in der Luft online zu gehen. Schließlich werden tausende Kilometer an Strecke zurückgelegt und dennoch sind es nur ein paar Sekunden Wartezeit. So hatte sich das übrigens früher auch mit dem Surfen via Modem (Telefonleitung) angefühlt. Da war man glücklich, wenn man seine Mails abgerufen und versendet bekommen hat. Heute seine WhatsApp-Nachrichten in der Luft.

Seit dem 19. August 2026 fliegt der erste A320neo der Lufthansa regulär mit Starlink und bis 2029 sollen rund 850 Flugzeuge des Konzerns folgen, ausdrücklich auch bei der Tochter Eurowings. Eurowings verspricht das schnelle Internet „auf allen Strecken und Flugzeugen“, die Umrüstung soll bereits in der zweiten Jahreshälfte 2026 gestartet sein. Die Information zu den Tarifen ist noch offen. Starlink-Satelliten kreisen in wenigen hundert Kilometern Höhe statt in 36.000. Das drückt die Latenz auf 30 bis 80 Millisekunden bei Bandbreiten von 50 bis 200 Mbit/s. Sollte ich hier mal das Glück haben mit einem umgerüsteten Eurowings-Flieger Starlink testen zu können, gibt es in jedem Fall hier ein Update.

Balkendiagramm der Latenzbereiche: Wings Connect 666 bis 1.382 ms selbst gemessen, Inmarsat GX 600 bis 800 ms, Viasat 500 bis 700 ms, Starlink Aviation 30 bis 80 ms
Geostationäre Satelliten gegen Starlink im niedrigen Orbit: kleiner ist besser.

Fazit

Wings Connect über Anuvu-Satellit ist eine Verbindung aus einer anderen Zeit: Für WhatsApp, Mails und ein bisschen Surfen mit Geduld reicht es, mehr dürft Ihr nicht erwarten. Seine Videostreams vor’m Boarding aufs Smartphone zu tanken, bleibt also weiterhin geboten, außer Euch sagt das Film-Angebot vom Inflight-Portal zu. Es sei noch zu erwähnen, dass die Messungen von einem Laptop an einem Sitzplatz durchgeführt wurden und nicht repräsentativ sind. Es gibt eher eine Indikation. Wer es noch genauer wissen will, findet alle Rohdaten im zugehörigen GitHub-Repository.

Wie sind Eure Erfahrungen mit Wings Connect? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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Veröffentlicht von

Christopher

Technik begeistert mich, und darüber schreibe ich auf Bitpage.de schon seit 2012. Hauptberuflich bin ich Entwickler, nebenbei teste ich Software und schraube an alter Hardware. Hier findet Ihr Anleitungen, Erfahrungsberichte und meine Meinung, mal auf Nerd-Level, mal als schneller Praxistipp.

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