Home Testbericht CAT S60: Baustellen-Smartphone mit FLIR Wärmebildkamera im Test

Es ist verrückt, wie sich die Smartphone-Welt entwickelt. Unsere mobilen Begleiter werden immer leistungsfähiger und der Baumaschinenhersteller CAT hat sich diesen Bereich ebenfalls für seine Zielgruppe erschlossen. Vor drei Jahren habe ich bereits das CAT B15 unter extremen Bedingungen getestet und war von seiner Unverwüstlichkeit beeindruckt. Jetzt konnte ich auch  das CAT S60 dank freundlicher Leihstellung vom Handyshop Pluratec testen. Da es sich um ein Leihgerät handelt, ist dieses Mal leider kein Extremtest wie zuvor beim B15 möglich. Mit dem B15 hat CAT aber bereits bewiesen, dass sie halten, was sie im Punkt „unverwüstlich“ versprechen. Ein besonderes Augenmerk liegt beim neusten Outdoor-Smartphone von Caterpillar auf der FLIR Wärmebildkamera.

Technische Daten

Verbaut sind neben der Mindestgröße von 32 Gigabyte für ein Smartphone, ein Octa-Core Prozessor sowie zeitgemäßen 3 GB Arbeitsspeicher. Heraus sticht in der Konfiguration der Akku mit 3.800 mAh und natürlich nicht zuletzt die Möglichkeit optisch die Wärmesignatur von Objekten zu erfassen. Übrigens: Auch wenn natürlich Caterpillar als Marke das S60 prägt, ist der Baumaschinenhersteller nur Namenspatron. Der eigentlicher Hersteller ist die Bullit Group.

Display4,7 Zoll IPS-LCD mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel
CPU8 x 1,5 GHz
GrafikAdreno 405
Arbeitsspeicher3 GB
Speicher32 GB mit microSD bis 128 GB erweiterbar
Kamera13 Megapixel Hauptkamera mit LED-Blitz, 5 Megapixel Front-Kamera
KonnektivitätWLAN 802.11 b/g/n, NFC, DLNA, MHL, LTE (Cat-4)
Akku3800 mAh
Gewicht223 Gramm
BesonderheitenInfrarot-Wärmebildkamera mit einer 80x60 Auflösung, ML-SPEC 810G und IP68 zertifiziert

Wärmebilder wie Profis?

Die eingebaute FLIR Wärmebildkamera ermittelt mit Hilfe von Infrarotstrahlen die Temperatur der Objekte. Jedes Objekt sendet unterschiedliche elektromagnetische Strahlung aus, die abhängig von der Temepratur ist. Das KIT hat es hier sehr detailliert und verständlich erklärt. Gut zu wissen ist, dass sich nur die Oberflächen-Temperatur messen lässt, sodass der gut isolierte Kaffeebecher mit heißer Flüssigkeit auf der Wärmebildkamera eine niedrigere Temperatur aufweist als der Inhalt eigentlich ist.

Die FLIR des CAT S60 hat eine Auflösung von 80 x 60 Pixeln. Dabei wird in der vorinstallierten FLIR App über das Realbild die Wärmesignatur gelegt. Je weiter ein Objekt entfernt ist, desto ungenauer ist das Wärmebild. Echte Profigeräte von FLIR mit einer höheren Auflösung von z.B. 1024 x 768 Pixeln sind im deutlich fünfstelligem Preisbereich angeordnet. Beim „Hausgebrauch“ lassen sich mit dem S60 problemlos stromführende Kabel, kaputte Dichtungen an Fenstern oder Wärmelecks an Heizungsrohren aufspüren. Bei letzterem ohne sich die Hände zu verbrennen, ein großer Vorteil von Wärmebildkameras.

Für Installateure ist das CAT S60 sicherlich interessant, dürfte nach meiner laienhaften Einschätzung der handwerklichen Berufe aber eher nur für eine grobe dafür aber schnelle Einschätzung von Wärmelecks sein. Als Laie bin ich beim Test natürlich absolut begeistert davon die Wärmewelt wie im Physik-Unterricht zu erkunden. In eine Kaufentscheidung beziehe ich diese Spielerei ohne produktiven Nutzen als Laie allerdings nicht ein.

Die Stärke: Schutz vor Wasser, Stürzen und Staub

Eindeutig robust gebaut ist das CAT S60: Ein solider Aluminium-Rahmen und Gorilla Glas 4 schützt vor Stürzen aus bis zu 1,80 Meter Höhe. Sitzfeste Verschlusskappen ermöglichen dem Smartphone bis zu einer Stunde unter Wasser in einer Tiefe von bis zu 5 Metern unbeschadet zu überstehen. Hier hat die Bullit Group für die Lautsprecher und Mikrofon einen Kipp-Schalter untergebracht, der dafür sorgt, dass bis 5 Meter kein Wassereindringen ermöglichen. Dies reduziert natürlich die Lautstärke extrem, kann aber nur vor „Tauchgängen“ umgelegt werden.

Sehr gut funktioniert die Touch-Erkennung auch bei nassen Fingern bzw. feuchtem Display. Lediglich wenn das Display komplett nass oder das Smartphone unter Wasser ist, werden Toucheingaben nicht mehr erkannt. Für die Bedienung bei Regen ideal. Für Unterwasser-Fotos lässt sich die Kamera auch mit den physischen Hardware-Tasten auslösen. Gut gefallen hat mir auch die Lautstärke. Hier sind in den technischen Daten bis zu 105 Dezibel angegeben.

Die Schwächen

Obwohl die Hauptkamera mit zeitgemäßen 13 Megapixel auflöst werden die Farben stark verfälscht. Die Fotos wirken teilweise auch wie „ausgewaschen“. Die Leuchtstärke des Displays ist nicht die Beste, macht aber dennoch im Dunkeln keine allzu großen Probleme das Display abzulesen. Je nach Geschmack dürfte einigen das CAT S60 sehr klobig wirken. Die Dicke von 12,7 Millimeter und Gewicht von 223 Gramm machen sich definitiv bemerkbar. Für meinen Geschmack ist die Grenze hier noch nicht überschritten. Kleinere Hände dürften mit der Einhand-Bedienung aber Schwierigkeiten haben. Nett gemeint ist eine rote programmierbare SOS-Taste: Sie befindet sich unter einer Verschlusskappe, die in meinen Augen den Sinn der Schnelligkeit einer solchen Taste schmälert.

Akku und Performance

Sehr positiv aufgefallen ist der Akku mit 3.800 Milliamperestunden, der bei meinem durchschnittlichen Gebrauch das CAT zwei Tage ohne Stromzufuhr auskommen lässt. Bei stark reduziertem Gebrauch hält der Akku auch problemlos 4 Tage durch. Entgegen einiger anderer Testberichte bin ich mit der Performance sehr zufrieden: Ruckler oder lange Wartezeiten habe ich nicht bemerkt. Der Octa-Core Prozessor verrichtet hier einen guten Dienst. Nicht zuletzt positiv dürfte sich auch das von CAT kaum angepasste Android-Betriebssystem auswirken. Bloatware gibt es abgesehen von der CAT App Toolbox keine.

Fazit

Das CAT S60 ist ein stabiler Outdoor-Bolide im gelben Caterpillar-Design, das vor allem durch seine Robustheit gegenüber Wasser, Staub und Stürzen überzeugt. Ein cooles Feature ist die integrierte FLIR Wärmebildkamera, die allerdings kein Profigerät ersetzt. Zudem gibt es für unter 300 Euro bereits die FLIR One Wärmebildkamera als Aufsteck-Einheit für Android- und iOS-Geräte. Die fehlende Farbtreue der Kamera ist ein Wehrmutstropfen, der bei einem derzeitigen Straßenpreis von 620 Euro nicht hätte sein müssen. Dennoch dürfte es für die handwerkliche Zielgruppe interessant sein, so ist das mobile Büro nicht nur via Dual-Sim über zwei Nummern zu erreichen, sondern hält dank des leistungsstarken Akkus auch bei intensiver Nutzung einen Tag durch.

 


9 Antworten zu diesem Blogbeitrag
  1. Hallo ihr fünf, vor allem Christoper, ja es ist echt ziemlich verrückt, was uns das Smartphone in den nächsten Jahren noch bringen wird. Aktuell wird außerdem an einer Art Projektor getüftelt, der am Smartphone angedockt werden kann. So werden Wände und die Natur zu einer Kinokulisse, die Mobilität steigt enorm…. lieber Gruß, Sonja

  2. Wenn man sieht, wie zerschunden manches Smartphone aussieht, was der ein oder andere Handwerker bei sich hat, dürfte es für solche Geräte durchaus eine ansehnliche Zielgruppe geben.
    Möchte nicht wissen, wieviele Smartphones so auf einer Baustelle drauf gehen.

  3. Danke für den Beitrag.
    Ich suche schon lange ein Baustellenhandy. In den letzten Jahren sind die Handys immer kleiner und zerbrechlicher geworden, für Handwerker eigentlich völlig ungeeignet, wenn dann nur mit extremen Schutzhüllen die aber die Funktionalität begrenzen.

  4. Ich finde solche Smartphones sehr gut.. heutzutage sind normale Handys durch ein falsches Anfassen schon zebrochen…

  5. Andreas, nicht nur Handwerker brauchen solche Handys. Wir, im Rettungsdienst, arbeiten auch nicht im Büro und müssen immer erreichbar sein und besondere Fälle googlen können.

  6. Ich finde das es ein sehr interessantes Feature ist, frag mich ob das andere Herrsteller auch machen werden.

  7. Hammer! Mit Wärmebild 🙂 Das ist auch für mich als Technikfan sehr interessant und wird bestimmt früher oder später seinen Weg in meinen Einkaufswagen finden.

  8. Interessant wie Smartphone-Hersteller immer neue Nischen finden um sich zu positionieren. Ich kenne die Cat-Smartphones und muss sagen dass sie für Handwerker wirklich sehr sinnvoll sind. Was ich mich nach deinem Test jedoch frage ist, wer genau die Zielgruppe für die Wärmebildkamera darstellt. Installateure finde ich schon einleuchtend – aber das wäre doch eine relativ kleine Zielgruppe. Außerdem frage ich mich, ob die Wärmebild-Kamera auf dem Cat S60 tatsächlich Profiwerkzeug ersetzen kann.

  9. Danke für die tolle Vorstellung des Cat S60. Ich war lange auf der Suche nach einem robusten Smartphone und habe mit euren Blogeintrag endlich etwas passendes gefunden. Werde mir dieses Handy auf jeden Fall bestellen.